Wann ist die Verwendung von Verhütungsmitteln nach der Geburt erlaubt? Was ist, wenn das Fortpflanzungsgebot bereits erfüllt ist?
Kurzfassung
Kann die notwendige Erholungsphase nach der Geburt für die Mutter ein Grund sein, um Verhütungsmittel zu erlauben?
Ja. Der Talmud erkennt eine körperliche Erholungsphase für die Mutter an, die bis zu zwei Jahre nach der Geburt dauern kann. Medizinische Forschungen haben ebenfalls Vorteile für Mutter und Kind festgestellt, wenn zwischen zwei Schwangerschaften mindestens 6–12 Monate liegen. Die Bedeutung der mütterlichen Regeneration ist ein wichtiger Faktor in der halachischen Diskussion über Verhütung nach der Geburt.
Ist Stillen ein Faktor für die Zulassung von Verhütung?
Ja. Der Talmud legt fest, dass Stillen (heutzutage auch Abpumpen) ein Grund sein kann, um Verhütung zu erlauben. In der Praxis ist Stillen in der Regel einer von mehreren Faktoren, die darüber entscheiden, ob Verhütung nach der Geburt zulässig ist.
Wann ist Verhütung nach der Geburt erlaubt?
Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, inwieweit Verhütung nach der Geburt erlaubt ist, auch wenn das Fortpflanzungsgebot (die Mizwa für einen Mann, einen Jungen und ein Mädchen zu haben) noch nicht erfüllt ist. Andere Faktoren, etwa spezifische gesundheitliche Bedenken (z.B. nach einem Kaiserschnitt), können auch Einfluss auf die Entscheidung haben, ob und ab wann ein Paar Verhütungsmittel nach der Geburt eines Kindes verwenden wird.
Gängige Rahmenbedingungen sind:
- Bis zu einem Jahr nach einer Geburt: Diese Ansicht wird dem Chazon Isch zugeschrieben. Diese Zeitspanne soll die Genesung der Frau zu erleichtern. Diese Regelung kann in einigen Fällen nach einer Fehlgeburt angewendet werden.
- Bis zu zwei Jahre nach einer Geburt: Einige Autoritäten, wie Raw Nahum Rabinovitch (20.-21. Jhd.), erlauben Verhütungsmittel für bis zu zwei Jahre nach der Geburt, um die Genesung der Mutter zu erleichtern. Andere, insbesondere Raw Moshe Feinstein (20. Jhd.), stellen diese Art von pauschaler Regelung in Frage.
- Bis zu vier oder fünf Jahre nach der Geburt: Raw Yosef Eliyahu Henkin (20. Jhd.) soll zwei oder sogar bis zu vier oder fünf Jahre erlaubt haben, um einer Mutter die Betreuung und Erziehung ihres Kinder (oder ihrer Kinder) zu erleichtern, basierend auf der Ansicht, dass Stillen und Kinderbetreuung Teil der Erfüllung des Fortpflanzungsgebots sind.
Danach kann unsere vorherige Diskussion über die Gesundheit weiterhin relevant sein.
Was versteht man unter der Mitzwat La-erew, dem Gebot zur Fortsetzung der Fortpflanzung nach der Geburt eines Jungen und eines Mädchens?
Wie wir andernorts ausführlicher erörtert haben, gibt es zwei Hauptansichten zu La-erew:
- La-erew als absolute Verpflichtung,
- La-erew als abhängig von persönlichen Erwägungen.
In beiden Fällen gibt es eine halachische Kontroverse darüber, was La-erew beinhaltet.
Zu den Möglichkeiten gehören, so viele Kinder wie möglich zu bekommen, nicht vollständig auf Kinder zu verzichten oder insgesamt zwei Jungen und zwei Mädchen zu bekommen (eine Minderheitenmeinung).
Wie wirken sich die Ansichten über La-erew auf die Entscheidungen zur Verhütung nach der Geburt eines Jungen und eines Mädchens aus?
- Nach der Auffassung, dass La-erew ein rabbinisches Gebot ist, würde die Empfängnisverhütung in jeder Phase der Ehe, auch nach der Geburt eines Jungen und eines Mädchens, eine halachisch anerkannte Rechtfertigung erfordern. Diese Ansicht ist weit verbreitet.
- Nach der Ansicht, dass La-erew persönlichen Erwägungen unterliegt, gibt es mehr Flexibilität, abhängig von den Umständen des Paares und insbesondere davon, was die Frau selbst als machbar empfindet.
Es gibt auch noch andere Faktoren, die von der Halacha bei Entscheidungen zur Verhütung Gewicht haben können. Diese werden im nächsten Beitrag besprochen.
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