Wann ist Empfängnisverhütung halachisch erlaubt? Welche Rolle spielen dabei gesundheitliche Erwägungen?
Kurzfassung
Welche religiös-weltanschaulichen Faktoren beeinflussen halachische Diskussionen über Empfängnisverhütung?
- Der Wert, Kinder in die Welt und in den jüdischen Bund mit Gott zu bringen
- Die Bedeutung der Demut vor Gott, der letztlich Geburt und Fortpflanzung aller leitet
- Die Betrachtung unseres Körpers als Werkzeug im Dienste Gottes, die unsere körperliche Autonomie einschränkt
- Fragen nach dem Lebensziel einer Frau und die Bedeutung des Kinderkriegens
Was sind die wichtigsten halachischen Überlegungen?
- Das Spannungsverhältnis zwischen Verhütung und verschiedenen Mitzwot, etwa des biblischen Gebots von Pirja ve-riwja (zu versuchen, mindestens einen Jungen und ein Mädchen zu zeugen), dem göttlichen Gebot Schewet (zur Bevölkerung der Welt beizutragen) und dem rabbinischen La-erew (weiterhin Kinder zu bekommen).
- Gemeinsame Entscheidungen, verschiedene halachische Verpflichtungen: Verhütung ist eine gemeinsame Entscheidung, aber eine Frau ist nicht direkt zu Pirja ve-riwja verpflichtet. Mit der Heirat geht sie jedoch die halachische Verpflichtung ein, ihrem Mann die Erfüllung dieses Gebots zu ermöglichen.
- Das Spannungsverhältnis mit gewissen Verboten: Einige Verhütungsmethoden können gegen die halachischen Verbote von Haschchatat Zera (Verschwendung von Samen) oder Sirus (Sterilisation) verstoßen.
Wie wirken sich moderne Verhütungsmethoden, die ab dem zwanzigsten Jahrhundert Verwendung finden, auf diese Diskussion aus?
Einige neuere Verhütungsmethoden werfen weniger Fragen zu Haschchatat Zera und Sirus auf als Methoden, die in der Vergangenheit zur Verfügung standen.
- In Kontexten, in denen historische Methoden der Empfängnisverhütung als zulässig erachtet wurden, sind in der Regel auch moderne Methoden erlaubt.
- In Kontexten, in denen historische Methoden der Empfängnisverhütung verboten waren, könnte sich dieses Verbot speziell auf diese Methoden beziehen. Bei modernen Methoden kann es daher mehr Spielraum für Nachsicht geben.
Wie wirken sich halachische Überlegungen auf Fragen der Empfängnisverhütung und der Gesundheit von Frauen aus?
- Die Verwendung von Verhütungsmitteln ist weitgehend erlaubt, wenn ein bekanntes Risiko für das Leben (sakanah) besteht, solch ein Risiko plausibel wäre (safek sakanah), oder auch nur eine plausible Sorge um solch ein Risiko besteht (chaschasch sakanah). Verhütungsmittel sind erforderlich, wenn eine Schwangerschaft oder Entbindung eine Gefahr für die Gesundheit darstellt und keine wirksame Behandlung möglich ist.
- Das oben Gesagte gilt auch für die psychische Gesundheit, inklusive jener der werdenden Väter.
- Einigen halachischen Autoritäten zufolge rechtfertigen auch allgemeine körperliche Schwäche und/oder Sorgen um die psychische Gesundheit die Anwendung von Verhütungsmitteln, zumindest bei den halachisch bevorzugten Methoden, auch bevor das Fortpflanzungsgebot (Pirja we-riwja) erfüllt ist.
Wer beurteilt den Gesundheitszustand einer Frau?
Medizinische und/oder psychologische Fachleute sollten im Rahmen des halachischen Entscheidungsprozesses konsultiert werden. Die Sicht der Frau auf ihre eigene Gesundheit hat ebenfalls zentrale halachische Bedeutung.
Was ist mit der Sorge um die Gesundheit potenzieller Nachkommen?
Bei der Sorge um eine tödliche oder schwerwiegende genetisch übertragbare Krankheit ist die Verwendung von Verhütungsmitteln erlaubt. Assistierte Reproduktionstechniken, wie z.B. Präimplantationsdiagnostik, werden als alternative Möglichkeit zur Erfüllung des Fortpflanzungsgebots empfohlen.
